Inspiriert wurde der Künstler Frederik Poppe zu dieser Installation auf einer mehrmonatigen Kunstreise "Nawarak lelmal" durch Afrika. Eine Gruppe von Künstlern setzte sich intensiv mit den aktuellen politischen Themen des Kontinents, insbesondere mit Migration, Flucht und Armut auseinander. Die Einreise nach Afrika mit den Wagen der Kunst-Karawane führte durch die spanische Enklave Ceuta. Dort begann die Auseinandersetzung mit dem Besuch eines Auffanglagers für Flüchtlinge, die es nach einer langen Odyssee geschafft hatten, in die "Festung Europa" zu gelangen, und ihrer ungewissen Zukunft harrten.
Auf die Flucht machen sich häufig nicht die Ärmsten der schwarzafrikanischen Länder, sondern junge, sozial gut eingebundene Leistungs- und Hoffnungsträger, auf die ganze Familien oder Dörfer ihre Hoffnung auf materiellen Wohlstand setzen. Sie sparen über Jahre, Frauen häufig auch unter Einsatz von Prostitution, um die für Afrika unvorstellbar hohen Summen, die Schlepperbanden für die Hilfe bei den häufig lebensgefährlich oder tödlich verlaufenden Fluchtversuchen nach Europa verlangen, aufbringen zu können. Nach der Ankunft ist der Traum vom Paradies und Wohlstand schnell zerronnen. Mittellos gelangen Frauen häufig direkt von den Schlepperbanden an Zuhälterbanden, um Schulden für die Überführung abzutragen und eine Existenz zu beginnen. In Europa beginnt die Arbeit der Desillusion durch einen kalten Wind der sozialen Härte, der ihnen in Fremde und Trennung von der Familie entgegenweht.
Die Installation zeigt eine schwarze Frau, die vorsichtig tastend ein Meer von zerschnipselten Geldscheinen betritt. Sie scheint nicht genau zu wissen, ob der Boden sie trägt oder ob sie untergehen wird. Die Träume und Illusionen vom materiellen Glück sind dabei zu zerrinnen. Es bleibt ein funkelnder, glitzernder Teppich, eine Oberfläche, inmitten eines weißen kahlen Raumes, der von einer Neonröhre ausgeleuchtet wird. Im Paradies des Konsums und des materiellen Wohlstands steht sie mittellos, nackt da. Ihr einziger Besitz ist ein Körper, den sie zur Prostitution anbieten kann und ein Tuch, um sich zu verhüllen. Als Schaufensterpuppe wird die Frau Objekt des Konsums, nicht wie von ihr erträumt teilhabende. Das Träumen hat sie aber nicht verlernt. Die Sehnsucht angedeutet durch den Blick in die Ferne richtet sich jetzt auf das Land der Herkunft, die Heimat.
Adrian Mundt, Juni 2006
